Erinnerung: Vor 50 Jahren brach am 18.Juli 1976 bei Erbstorf der Elbe-Seiten-Kanal
vor 3 WochenAm Sonntag, dem 18. Juli 1976, kam es nur wenige Wochen nach der feierlichen Eröffnung zum historischen Dammbruch am Elbe-Seitenkanal bei Lüneburg. Am Kanalkilometer 102,7 in der Gemeinde Adendorf (Ortsteil Erbstorf) versagte das neu errichtete Infrastrukturprojekt. Es gilt als eine der größten technischen Katastrophen Norddeutschlands in der Nachkriegszeit.
Der Ablauf der Katastrophe
- Plötzlicher Ausbruch: Gegen 10:30 Uhr morgens riss der westliche Kanaldamm an einer Straßenunterführung ohne Vorwarnung auf.
- Massiver Wasseraustritt: Rund 4 Millionen Kubikmeter Wasser schossen unkontrolliert in die umliegende Landschaft.
- Riesige Überschwemmung: Die Flutwelle überschwemmte eine Fläche von etwa 15 Quadratkilometern.
- Evakuierung per Hubschrauber: Eingeschlossene Anwohner mussten teilweise von Hausdächern gerettet werden.
- Großeinsatz der Retter: Feuerwehr, THW, Rotes Kreuz, Bundesgrenzschutz und die Bundeswehr kämpften stundenlang gegen die Wassermassen.
- Glück im Unglück: Trotz der enormen Zerstörung kam bei der Katastrophe kein Mensch ums Leben.
Ursachen und Baumängel
Eine Gutachterkommission stellte später gravierende Konstruktionsfehler und „Pfusch am Bau“ fest. An der Nahtstelle zwischen der Beton-Unterführung und dem aufgeschütteten Erddamm gab es eine undichte Fuge. Über Wochen sickerte dort Wasser unbemerkt in den Unterbau. Der lockere Sandboden wurde nach und nach weggespült und ausgehöhlt. Am Unglückstag sackten die schweren Betonplatten schließlich ein, wodurch die Böschung dem enormen Wasserdruck nicht mehr standhalten konnte.
Die immensen Schäden
Die Wassermassen hinterließen eine Spur der Verwüstung. Mehr als 100 Häuser liefen komplett voll Wasser oder wurden teilweise unterspült. Straßen, Schienenwege und landwirtschaftliche Flächen wurden zerstört. Auf dem Sportplatz in Erbstorf stand das Wasser zeitweise zwei Meter hoch. Die Reparatur der reinen Bruchstelle kostete damals rund 5 Millionen D-Mark, während die anschließenden Sanierungs- und Verstärkungsarbeiten am restlichen Kanal weitere 50 Millionen D-Mark verschlangen. Erst elf Monate später, im Juni 1977, konnte der Elbe-Seitenkanal wieder für die Schifffahrt freigegeben werden.
Beitrag NDR (gesendet am 16.Juni 2026 in "Hallo Niedersachsen") : https://www.ardmediathek.de/video/hallo-niedersachsen/50-jahre-elbe-seitenkanal-erinnerung-an-damm-bruch-1976/ndr/Y3JpZDovL25kci5kZS8xZTRhNjRkMS1lYTA3LTQ4YTQtOTkxNy04ZjAyNDBlYTVjZTk
Amateuraufnahmen: https://www.youtube.com/watch?v=qqNebaQh3h8