„Heiße, komplizierte Kiste“ Deckwerkssicherung
vor 2 MonatenDie neunte Elbvertiefung zwischen der Elbmündung und dem Hamburger Hafen ist seit 2022 abgeschlossen. Doch im Zuge
der Fahrrinnenanpassung der Unter- und Außenelbe für 14,5 Meter tiefgehende Containerschiffe wurden bis jetzt noch begleitende
bauliche Großprojekte entlang der rund 100 Kilometer langen Strecke umgesetzt.
Dazu gehörte auch der Tide-Bereich der Elbe oberhalb von Hamburg in den Verbandsgebieten des Harburger Deichverbandes (HDV), des Deich- und Wasserverbandes
Vogtei Neuland (DWVN) und des Artlenburger Deichverbandes (ADV). Diese hatten sich vor 16 Jahren gemeinsam die
Unterhaltung der Sicherungs- und Schutzwerke bzw. der unbefestigten Deich- vorlandbereiche (6,577 km schadhafte Elbuferstrecke)
vertraglich mit und durch den Bund und durch das Land Niedersachse zusichern lassen. Ferner gehörte auch die
Kostenübernahme bei möglichen neuen Bauvorhaben zur Deckwerkssicherung dazu.
„Das war damals eine aufreibende Angelegenheit und ganz heiße, komplizierte Kiste, zumal uns das Land Niedersachsen bei
unserem Ansinnen zunächst nicht unterstützt hat“, erinnert sich der ehemalige ADV-Geschäftsführer Norbert Thiemann. „Wir
befürchteten durch die Elbvertiefung eine Gefährdung und Belastungen auf Ufer, Deiche und Siele infolge von beispielsweise
Wasserstands- und Strömungserhöhungen durch die erwartet immer größeren und schnelleren Schiffe“, erklärt er.
Gemeinsam mit seinem Pendent beim Deich- und Wasserverband Vogtei Neuland, Roland Oelkers, leistete er die inhaltliche Vorarbeit für
die Verträge. Otto Sander (DWVN) war damals Verhandlungsführer. Zudem beauftragten die drei Deichverbände auf eigene
Initiative und Kosten mit RA Günther & Partner aus Hamburg namhafte Fachjuristen für ihre begründeten Forderungen.
Die Verhandlungen fanden im Vorweg und unabhängig vom erst 2011 erfolgten Planfeststellungsbeschluss zur Fahrrinnenanpassung
statt. Bei dem von den Verbandsvorstehern Otto Sander (DWVN) und Hermann Lagerbein (HDV) sowie dem kürzlich
verstorbenen Johann Freese (ADV) am 19. März 2009 in Jork unterzeichneten Vertrag, war neben dem Bund dann auch das
Land Niedersachsen mit im Boot. Zugleich bedeutete das Abkommen die Zustimmung der Deichverbände im Fahrrinnenanpassungs-
Verfahren.
Die ersten Baumaßnahmen an den sogenannten scharliegenden Deichen (ohne schützendes Deichvorland)
fanden im Harburger Gebiet statt. „Nach der Unterzeichnung wurden der Vertrag und die Vereinbarungen gegenseitig gelebt“,
stellen die drei amtierenden Verbandsvorsteher Christoph Sander (DWVN), Hartmut Burmester (ADV) und Karsten Riege
(HDV) jetzt heraus.
„Alle Maßnahmen wurden weitestgehend umgesetzt, obwohl im Laufe der Jahre die ursprünglich angesetzten Kosten von
rund 20 Millionen Euro sich in etwa verdoppelt haben.“ Die Verantwortlichen heben in diesem Zusammenhang die Arbeit von
Projektleiter Reinhard Martin vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN)
in Lüneburg hervor. „Er hat seitens des Landes für die Deichverbände seit Beginn zusammen mit dem Wasserstraßen-und
Schifffahrtsamt Elbe die Maßnahmen und Vorhaben vorangetrieben.“
Steinschüttungen sind zum Schutz des Deichfußes unverzichtbar
Als Deckwerke werden im Wasserbau die äußeren Schutzschichten für Böschungen von Uferbauwerken verstanden und sind
in der Regel Steinschüttungen. „Ihre Aufgabe besteht darin, das Bauwerk unmittelbar an seinem wasserseitigen Deichfuß und
Buhnen gegen die Wirkungen von Wellen und Strömungen zu sichern und besonders gefährdete Teile der Böschung zu schützen“,
erklärt ADV-Geschäftsführer Ansgar Dettmer. „Oft werden die Steinschüttungen auch mit Spundwänden im Erdreich
gesichert, die hinterher meist kaum oder gar nicht mehr zu sehen sind“, sagt der Wasserbauingenieur weiter. Im Verbandsgebiet
des ADV, zu dem auch der Tide-Bereich von Avendorf bis Laßrönne mit seinem Hauptdeich gehört, hatte es zuletzt 2022 von
Schwinde-West bis zur Stover Rennbahn eine entsprechende große Baumaßnahme zur Sicherung des Uferbereiches gegeben.
6000 Tonnen Wasserbausteine aus Eisensilicatgestein mussten aufgeschüttet, 1000 Tonnen Schotter eingebaut und 1250 Quadratmeter
Geogitter mit Vlies verlegt werden. Mit schwerem Gerät waren auch in den beiden Buhnenfeldern in einem vibrationsarmen
Verfahren fünf bis acht Meter lange Spundbohlen als Sicherung der Steinböschung gegen abrutschen eingebracht
worden. Andere Vorhaben fanden bei Laßrönne-Haue und Bullenhausen ihre Umsetzung. Im Bereich des Deich- und Wasserverbandes
Vogtei Neuland gab es größere Maßnahmen bei Fliegenberg und Hoopte, im Harburger Deichverband bei Over.
Feierstunde am 6. November mit Ministerpräsident Olaf Lies
Nach 16 Jahren steht das Projekt „Deckwerkssanierung“ für die drei Deichverbände vor dem Abschluss. Der soll am 6. November
in feierlichem Rahmen für geladene Gäste im Dorfgemeinschaftshaus in Laßrönne stattfinden. „Wir freuen uns, dass
unser Ministerpräsident Olaf Lies in einem persönlichen Gespräch in Hannover sein Kommen zugesagt hat“, erklärt Hartmut
Burmester. Geplant sind auch Ortsbesichtigungen der umgesetzten Maßnahmen in Bullenhausen und in Laßrönne.